Schreiben · Hyperphantasia · Regency Romance

Ich dachte lange, jeder sieht Geschichten wie Filme im Kopf

Wie Hyperphantasia meine Regency-Romane beeinflusst und warum Davenger für mich oft zuerst als innerer Film entsteht.

Hyperphantasia und Regency Romance von Monique Moore

Wie Hyperphantasia meine Regency-Romane beeinflusst

Viele Menschen erinnern sich an Bilder. Andere stellen sich Dinge grob vor.

Und dann gibt es Menschen, die Geschichten beinahe wie Filme erleben. Mein Leben lang dachte ich, das wäre völlig normal, dass ich richtige Videos im Kopf abspielen kann.

Schon als Jugendliche liefen Szenen in meinem Kopf ab, sobald ich spazieren ging oder abends im Bett lag. Gespräche zwischen Figuren entstanden plötzlich wie von selbst. Ich konnte Mimik sehen. Die Art, wie jemand den Raum betritt oder sich darin bewegt.

Gelegentlich spulte ich Szenen innerlich zurück, veränderte Dialoge oder wechselte die Perspektive. Es war, als würde ich diesen Film nicht nur sehen, sondern gleichzeitig erschaffen.

Erst viele Jahre später und durch das Veröffentlichen meiner Bücher verstand ich, dass nicht jeder Geschichten so intensiv erlebt und sieht.

Heute weiß ich, dass es dafür sogar einen Begriff gibt: Hyperphantasia oder Hyperphantasie. Eine besonders ausgeprägte Fähigkeit, innere Bilder und Szenen lebendig zu visualisieren.

Auch wissenschaftlich wird Hyperphantasia inzwischen zunehmend erforscht. Ein spannender Artikel des Guardian beschäftigt sich mit Menschen, die innere Bilder beinahe wie Filme erleben:

„Like a film in my mind“ – Hyperphantasia and the quest to understand vivid imaginations
Für mich fühlte es sich dennoch nie außergewöhnlich an. Es war einfach immer da.

Warum historische Liebesromane so viel Vorstellungskraft brauchen

Gerade Regency Romance lebt von Atmosphäre.

Wenn ich schreibe, entstehen nicht nur Worte auf einer Seite. Ich sehe Räume, ganze Ballsäle. Das warme Licht von Kerzen und fühle die Hitze eines Kaminfeuers. Regentropfen an Fensterscheiben von Davenger Hall sind für mich fast greifbar. Das Rascheln von Kleidern und die Pferdehufe auf nassem Kies kann ich hören.

Ich sehe, wie Carly Avery ansieht. Wie Richard versucht, seine Gefühle hinter Stolz zu verbergen. Wie Cecile schweigt, obwohl sie innerlich längst zerbricht.

Historische Liebesromane spielen in einer Welt, die wir selbst nie erlebt haben. Vielleicht braucht es deshalb besonders viel Vorstellungskraft, um diese Zeit emotional greifbar zu machen.

Denn Regency Romance besteht nicht nur aus schönen Kleidern und großen Herrenhäusern. Es geht um unausgesprochene Gefühle und um Nähe, die gefährlich sein konnte. Und oft auch um Blicke, die mehr sagen als Worte. All das muss beim Schreiben lebendig werden.

Wie Szenen in meinem Kopf entstehen

Viele Szenen aus Davenger entstehen lange, bevor ich sie überhaupt aufschreibe.

Ein Blick oder eine Berührung zwischen zwei Protagonisten, ihre leise Unterhaltung bei Kerzenschein. Dann beginnt die Szene sich weiterzuentwickeln.

Hin und wieder taucht plötzlich ein einzelner Moment auf.

Oft passiert das beim Spazierengehen mit meiner Hündin Lotte oder abends, wenn eigentlich längst Schlafenszeit wäre. Manche Szenen begleiten mich tagelang. Ich denke über sie nach, verändere Kleinigkeiten oder sehe plötzlich neue emotionale Ebenen darin.

Interessanterweise funktioniert das nicht immer gleich gut. Wenn ich unter Druck stehe oder emotional erschöpft bin, verschwinden diese Videos beinahe vollständig. In diesen Augenblicken wird Schreiben plötzlich schwer.

Denn für mich beginnt eine Geschichte nicht mit Worten, vielmehr mit Bildern und Gefühlen.

Vielleicht fühlt sich Davenger deshalb so „echt“ an

Häufig schreiben mir Leserinnen, dass sie beim Lesen das Gefühl hatten, selbst durch Davenger Hall zu laufen oder mit den Figuren mitzufühlen, als wären sie real.

Möglicherweise liegt genau darin der Grund. Ich schreibe Szenen nicht nur.

Ich sehe, fühle und erlebe sie.

Und genau das ist das Schönste am Schreiben:
Dass aus inneren Bildern irgendwann Geschichten entstehen, die plötzlich auch in den Herzen anderer Menschen lebendig werden.

Wenn Geschichten wie Filme im Kopf entstehen

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Davenger für mich nicht nur eine Reihe ist, sondern eine Welt, die ich sehe, fühle und beim Schreiben immer wieder betrete.

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Monique Moore

Autorin der Davenger Trilogie

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