Warum ich Davenger Hall erschaffen habe und warum ich jetzt zum ersten Mal über die nächste Generation schreibe
Über ein Herrenhaus, das zum Zuhause wurde, Figuren, die nach ihrem Happy End weiterlebten, und den Moment, in dem ich wusste, dass die Geschichte ihrer Kinder erzählt werden musste.
Es gibt Geschichten, die mit einer klaren Idee beginnen. Man kennt ihre Figuren, ihren Konflikt und vielleicht sogar den letzten Satz, bevor das erste Kapitel geschrieben ist. Davenger Hall entstand anders. Am Anfang stand nicht der Plan, eine große Familiensaga zu erschaffen. Ich wollte eine Liebesgeschichte erzählen, in der zwei Menschen nicht deshalb zueinanderfinden, weil das Schicksal es ihnen leicht macht, sondern weil sie lernen, einander wirklich zu sehen.
Aus dieser ersten Geschichte wurden drei Bücher. Aus einzelnen Figuren wurde eine Familie. Und aus einem Herrenhaus, das zunächst nur die Kulisse für Avery und Carlys Geschichte sein sollte, wurde ein Ort, der sich für mich irgendwann nicht mehr erfunden anfühlte. Ich kannte seine Flure, die Bibliothek und den Blick aus den Fenstern. Ich wusste, wie sich die Stimmung im Speisezimmer veränderte, wenn etwas Unausgesprochenes zwischen den Figuren lag, und welche Erinnerungen in den stilleren Räumen weiterlebten.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum Davenger Hall geblieben ist. Es war nie nur ein Schauplatz. Das Haus wurde zum stillen Zeugen all jener Entscheidungen, Verluste und Neuanfänge, die meine Figuren geprägt haben. Es bewahrte ihre Vergangenheit und bot ihnen zugleich einen Ort, an dem eine andere Zukunft möglich wurde.
Ich wollte keine makellose Regency-Welt
Mich interessierten die Brüche unter der eleganten Oberfläche
Als ich mit der Davenger-Trilogie begann, wollte ich keine glänzende Welt erschaffen, in der Schönheit, Titel und ein perfekter Ballabend ausreichen, um eine Liebesgeschichte zu tragen. Mich interessierten die Brüche unter der eleganten Oberfläche. Die Fragen, die eine Gesellschaft nicht hören wollte. Was geschieht mit einer Frau, deren Zukunft längst von anderen entschieden wurde? Wie liebt ein Mann, der gelernt hat, Gefühle als Schwäche zu betrachten? Und kann aus einer Verbindung, die aus Pflicht entsteht, etwas Echtes wachsen?
So entstanden Carly und Avery. Sie waren der Anfang von Davenger, aber ihre Geschichte öffnete zugleich die Tür für weitere Figuren, die ihre eigenen Ängste, Sehnsüchte und Verletzungen mitbrachten. Richard und Georgiana mussten lernen, dass Stolz nicht vor Verlust schützt. George und Cecile stellten mich vor die Frage, ob Liebe eine Entscheidung sein kann und wie viel Wahrheit eine Beziehung aushalten muss, um wirklich Bestand zu haben.
Ich wollte keine Figuren schreiben, die immer das Richtige sagen und deren Fehler nur kleine Umwege zum Happy End sind. Meine Heldinnen dürfen zweifeln, widersprechen und falsche Entscheidungen treffen. Meine Helden tragen Verantwortung, Schuld und manchmal eine Vergangenheit, die sie lieber verschweigen würden. Sie lieben nicht perfekt. Aber wenn sie sich für einen Menschen entscheiden, dann mit einer Tiefe, die über den letzten Kuss eines Romans hinausreicht.
Wenn ein Schauplatz zum Zuhause wird
Davenger Hall begann, ein Eigenleben zu entwickeln
Während des Schreibens geschah etwas, das ich zu Beginn nicht geplant hatte. Davenger Hall begann, ein Eigenleben zu entwickeln. Ich sah nicht mehr nur das Gebäude, sondern die Spuren jener Menschen, die darin gelebt hatten. Einige Räume waren mit glücklichen Erinnerungen verbunden, andere mit Verlust. In manchen Szenen wurde das Haus zum Schutzraum, in anderen erinnerte es meine Figuren an Erwartungen, denen sie kaum entkommen konnten.
Vor allem aber wurde Davenger Hall zum Mittelpunkt einer gewählten Familie. Die Menschen, die dort zusammenfanden, waren nicht frei von Konflikten. Sie verletzten einander, schwiegen zu lange oder glaubten, allein mit ihren Ängsten fertigwerden zu müssen. Dennoch entstand zwischen ihnen etwas Beständiges. Ein Gefühl von Zugehörigkeit, das nicht allein durch Herkunft oder einen gemeinsamen Namen begründet war.
Genau dieses Gefühl liegt für mich im Herzen der gesamten Reihe. Heimat ist nicht immer der Ort, an dem wir geboren wurden. Sie kann dort entstehen, wo jemand bleibt, obwohl er unsere Schwächen kennt. Wo wir nicht länger eine Rolle erfüllen müssen. Wo die Menschen um uns herum nicht erwarten, dass wir makellos sind, sondern ehrlich.
Davenger war nie nur als Trilogie gedacht
Zumindest fühlt es sich heute so an. Sachlich betrachtet hatte die ursprüngliche Trilogie einen klaren Abschluss. Emotional war die Welt jedoch nicht beendet. Die Figuren hatten ihr Happy End gefunden, aber ihr Leben ging weiter. Aus Liebenden wurden Ehepaare, aus Geschwistern Eltern und aus den Entscheidungen der ersten Generation entstand die Welt, in der ihre Kinder aufwachsen würden.
Die Frage, die mich nicht mehr losließ
Was geschieht mit einer großen Liebesgeschichte, nachdem das Buch endet?
Nach dem dritten Band hätte ich Davenger Hall verlassen können. Die wichtigsten Konflikte der Trilogie waren erzählt und die Figuren hatten einen Platz gefunden, der sich richtig anfühlte. Trotzdem blieb eine Frage: Was geschieht nach dem Happy End?
In Liebesromanen begleiten wir zwei Menschen meist bis zu dem Moment, in dem sie sich füreinander entscheiden. Wir schließen das Buch mit dem Wissen, dass ihre Liebe bestehen wird. Doch gerade bei meinen Figuren interessierte mich immer stärker, was diese Liebe über Jahre hinweg bewirkt. Welche Art von Eltern werden Carly und Avery? Welche Werte geben Richard und Georgiana weiter? Wie verändert sich George, wenn er nicht mehr nur Bruder und Ehemann, sondern Vater ist?
Aus diesen Gedanken entwickelte sich die nächste Frage. Wie ist es, als Kind großer Liebesgeschichten aufzuwachsen? Ist eine solche Familie ein sicherer Hafen oder kann sie auch eine Erwartung erzeugen, der man kaum gerecht werden kann? Die Kinder von Davenger haben Wärme, Schutz und Möglichkeiten, die ihren Eltern teilweise verwehrt blieben. Trotzdem erben sie nicht nur Titel und Namen. Sie wachsen mit Geschichten auf, mit Erinnerungen und mit einem Bild von Liebe, an dem sie ihre eigenen Gefühle messen.
Warum Elisa den Anfang machen musste
Sie ist Teil dieser Familie und dennoch keine Wiederholung ihrer Eltern
Mit Davenger Legacy schreibe ich nun zum ersten Mal über die Kinder jener Figuren, die den Ursprung dieser Welt bilden. Den Anfang macht Elisa Cranston, die Tochter von Avery und Carly. Sie ist in einer liebevollen Familie aufgewachsen und kennt Davenger Hall als einen Ort der Sicherheit. Sie weiß, dass sie geliebt wird. Gerade deshalb wäre es zu einfach gewesen, ihre Geschichte nur als sorgenfreie Fortsetzung des Glücks ihrer Eltern zu erzählen.
Elisa trägt keine Kopie von Carlys Geschichte in sich. Sie begegnet nicht denselben Hindernissen und sie wird auch nicht auf dieselbe Weise lieben. Sie ist selbstbewusst, aufmerksam und bereit, ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Gleichzeitig ist sie jung genug, um zu glauben, dass sie Menschen richtig einschätzen kann, bevor sie deren ganze Wahrheit kennt.
Duncan Ratcliff ist ebenfalls kein zweiter Avery. Er bringt eine andere Vergangenheit, andere Verletzungen und eine andere Form von Dunkelheit in die Geschichte. Zwischen Elisa und Duncan entsteht deshalb keine Wiederholung dessen, was ihre Eltern erlebt haben. Ihre Beziehung stellt neue Fragen: Wie viel Vertrauen kann wachsen, wenn der Anfang von einem Verrat überschattet wird? Reicht Liebe aus, wenn der eigene Stolz verletzt wurde? Und wie entscheidet man sich für einen Menschen, dessen Gefühle echt sein könnten, dessen Handlungen aber Zweifel gesät haben?
Genau darin liegt für mich der Reiz der nächsten Generation. Die vertraute Welt bleibt, doch die emotionalen Konflikte verändern sich. Ich darf nach Davenger Hall zurückkehren, ohne dieselbe Geschichte noch einmal zu erzählen.
Mehr über die neue Reihe Das Erbe von Davenger endet nicht. Es beginnt. Entdecke Elisa, die nächste Generation und die geplanten Geschichten der neuen Regency-Romance-Saga.Was sich beim Schreiben verändert hat
Bekannte Orte tragen für die Kinder andere Erinnerungen
Das Schreiben über die nächste Generation fühlt sich vertraut und gleichzeitig ungewohnt an. Ich kehre an Orte zurück, die ich gut kenne, sehe sie nun aber durch andere Augen. Für Elisa ist Davenger Hall keine geheimnisvolle Welt, die sie erst betreten muss. Es ist ihre Kindheit, ihre Familie und ein Teil ihrer Identität. Räume, die für Avery mit Verlust verbunden waren, können für seine Tochter glückliche Erinnerungen tragen.
Auch die früheren Hauptfiguren erscheinen in einem neuen Licht. Sie sind nicht mehr ausschließlich die jungen Menschen, deren Weg zur Liebe ich erzählt habe. Sie tragen Verantwortung für ihre Kinder und müssen akzeptieren, dass sie diese nicht vor jeder Enttäuschung bewahren können. Besonders Avery erlebt eine Rolle, die viel über ihn verrät. Als Vater kann er Elisa lieben, ihr vertrauen und dennoch an dem Gedanken verzweifeln, dass ein anderer Mensch Macht über ihr Herz gewinnen könnte.
Diese Verschiebung berührt mich beim Schreiben stärker, als ich erwartet hatte. Ich kenne die Verletzungen der Eltern, ihre Ängste und die Versprechen, die sie einander gegeben haben. Nun sehe ich, was aus diesen Entscheidungen geworden ist. Nicht als vollkommenes Leben, sondern als Fundament, auf dem ihre Kinder etwas Eigenes errichten dürfen.
Was eine Familie weitergibt
Das wichtigste Erbe von Davenger ist unsichtbar
Der Titel Davenger Legacy bezieht sich nicht allein auf Besitz, Titel oder einen berühmten Namen. Das entscheidende Erbe dieser Familie ist unsichtbar. Es liegt in der Art, wie ihre Mitglieder füreinander einstehen. In dem Wissen, dass man Fehler machen darf, ohne seine Zugehörigkeit zu verlieren. Und in der Überzeugung, dass Liebe nicht bedeutet, einen Menschen zu verändern, bis er den Erwartungen anderer entspricht.
Natürlich trägt auch dieses Erbe Widersprüche in sich. Eltern geben nicht nur ihre Stärke weiter, sondern ebenso ihre Ängste. Sie wollen ihre Kinder vor jenen Schmerzen schützen, die sie selbst erfahren haben, und laufen gerade dadurch Gefahr, deren Entscheidungen zu beeinflussen. Die nächste Generation muss deshalb herausfinden, welche Werte sie bewahren möchte und von welchen Erwartungen sie sich lösen muss.
Vielleicht ist das der Punkt, an dem sich die neue Reihe am deutlichsten von der ursprünglichen Trilogie unterscheidet. Die ersten Davenger-Bücher erzählen davon, wie eine Familie entsteht. Davenger Legacy erzählt davon, was diese Familie hinterlässt und wie ihre Kinder daraus ein eigenes Leben formen.
Für mich fühlt sich die Rückkehr nach Davenger Hall nicht an, als würde ich eine abgeschlossene Geschichte künstlich verlängern. Es ist eher, als hätte ich eine Tür geöffnet, hinter der das Leben die ganze Zeit weitergegangen ist. Das Haus ist noch da. Die vertrauten Stimmen sind älter geworden. Und in den Korridoren beginnt bereits eine neue Generation, ihre eigenen Spuren zu hinterlassen.
Welche Figur möchtest du wiedersehen?
Bist du neugieriger auf die Kinder von Davenger oder darauf, wie sich Avery, Carly und die anderen als Eltern verändert haben?
Willkommen zurück in Davenger Hall
Eine neue Generation. Neue Konflikte. Und eine Liebe, die sich an den Geschichten der Vergangenheit messen lassen muss.
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